Gebäude der Wiener Volksoper © Volksoper Wien, Logo VOF
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Volksoper räumt beim Österreichischen Musiktheaterpreis ab

Bereits zum sechsten Mal ist dieser „Oscar des Musiktheaters“ verliehen worden, zum ersten Mal außerhalb Wiens – nämlich im wunderschönen Ambiente des Grazer Opernhauses! Fünf „Goldene Schikaneder“ gingen dabei alleine an die Volksoper Wien!  Der von Karl-Michael Ebner initiierte Österreichische Musiktheaterpreis startete heuer seine Reise in die Bundesländer und wird kommendes Jahr an das Landestheater Innsbruck  weiterreisen. Neu ist auch die Papageno-Figurine, die heuer erstmals von der Kärntner Künstlerin Andrea Rex stammt. Sie zeigt Emanuel Schikaneder in seiner Paraderolle in veränderter Haltung, die für den Aufbruch des Preises in die Bundesländer steht.

47 Nominierungen gab es heuer, 19 Künstlerinnen und Künstler konnten schließlich die neugestaltete Schikaneder-Figur nach Hause tragen. Anna-Maria Kalesidis hatte als Rusalka in einer Hauptrolle am Tiroler Landestheater überzeugt, während Ales Briscein für seine Gestaltung der Titelpartie in „Der Zwerg“ an der Grazer Oper den Preis gewann.

Großer Gewinner des diesjährigen Preises ist die Volksoper Wien, die insgesamt fünf Goldene Schikaneder abräumt, vier davon für die Produktion „Axel an der Himmelstür“! Sie gewann in den Kategorien „Beste Gesamtproduktion Operette“ und „Beste Ausstattung“ (Sam Madwar, Daria Kornysheva, Andreas Ivancsics), außerdem wurden Regisseur Peter Lund und Newcomer und Publikumsliebling Jakob Semotan („Bester männlicher Nachwuchs“) geehrt.

Drei Preise gehen an das Tiroler Landestheater und jeweils zwei an die Oper Graz und das Landestheater Linz. Der ORF-III-Medienpreis wird von Wirtschaftskammer-Österreich-Präsident Harald Mahrer an Thomas Hampson verliehen. Für sein Lebenswerk wird Kurt Rydl ausgezeichnet.

Die Wiener Volksopernfreunde gratulieren sehr herzlich!

 

Die Gewinner:

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Österreichischen Musiktheaterpreises 2018

Lebenswerk

KS Kurt Rydl

ORF III Medien Preis

KS Thomas Hampson

Bester Chor

Arnold Schönberg Chor

Bestes Orchester

Orchester der Volksoper Wien

Beste Nachwuchskünstlerin weiblich

Tetiana Miyus

Bester Nachwuchskünstler männlich – mit freundlicher Unterstützung von Weingut Schaller

Jakob Semotan

Beste Ausstattung – mit freundlicher Unterstützung von Art for Art

Sam Madwar / Daria Kornysheva / Andreas Ivancics

Beste Gesamtproduktion Ballett – mit freundlicher Unterstützung von GEPA

Die kleine Meerjungfrau

Beste weibliche Nebenrolle – mit freundlicher Unterstützung der Sektkellerei Szigeti

Camilla Lehmeier

Beste männliche Nebenrolle

Jochen Kowalski

Beste Musikalische Leitung

Mirga Grazinyte-Tyla

Beste Off-Theaterproduktion – mit freundlicher Unterstützung des Bundeskanzleramtes

Pallas Athene weint

Beste  Gesamtproduktion Musical

In 80 Tagen um die Welt

Beste Regie – mit freundlicher Unterstützung der LSG

Peter Lund

Beste Gesamtproduktion Operette

Axel an der Himmelstür

Beste männliche Hauptrolle

Aleš Briscein

Beste weibliche Hauptrolle – mit freundlicher Unterstützung von Energie Steiermark

Anna-Maria Kalesidis

Beste Gesamtproduktion Oper

Salome (Stadttheater Klagenfurt) und Capriccio (Tiroler Landestheater)

 


 

© Volksoper Wien / Barbara Pálffy

Guggi Löwinger ist in der Nacht auf den 21. April im Alter von 79 Jahren verstorben. Sie ist in 2267 Vorstellungen und in 35 verschiedenen Partien an der Volksoper aufgetreten.

 

„Guggi Löwinger hat die Geschichte der Volksoper knapp sechs Jahrzehnte lang geprägt. Sie hat am 15. Mai 1959 als Lisa in „Gräfin Mariza“ debütiert und stand zuletzt am 26. Jänner 2018 als Frau Schmidt in „The Sound of Music“ auf unserer Bühne. Mit ihr stirbt ein Teil der Geschichte der Volksoper. Wir werden diese unvergessliche Künstlerin schrecklich vermissen“, so meinte Volksopern-Hausherr Robert Meyer erschüttert anlässlich des Ablebens der beliebten Künstlerin.

 

Vermissen werden sie auch die Volksopernfreunde. Die Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin gehörte bereits in meiner Kindheit und Jugend zum „Inbegriff“, ja irgendwie zum „Inventar“ der Volksoper. Viele Operetten- und Musical-Produktionen erlebte ich mit ihr – zahlreiche Erinnerungen verbinde ich mit ihr – oft als Stammgast der „Familien-Loge“ – der 4er Loge links im 2.Rang. Dort habe ich gemeinsam mit Eltern und Großeltern viele Abende mit der zauberhaften Soubrette erlebt…so auch an Abenden nach meiner Kommunion und Firmung – Guggi war immer irgendwie dabei und fegte quirlig über die Bühne des Hauses am Währinger Gürtel. Zuletzt durfte ich sie als Gast beim Adventkonzert der „Volksopernfreunde“ im Lehár-Schlössel am 1. Adventsonntag des vergangenen Jahres begrüßen…

 

Die Künstlerin entstammte als Tochter von Paul Löwinger und seiner Frau Liesl der legendären Wiener Schauspielerdynastie Löwinger und war seit Ende der 1950er-Jahre Ensemblemitglied des Hauses am Währinger Gürtel.
Löwinger wurde am 5. April 1939 in Wien geboren. Hier absolvierte sie auch ihre Schulzeit. Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt Guggi ihre erste Rolle. Ab dem neunten Lebensjahr begann sie eine Tanzausbildung bei der Ballettmeisterin und Choreographin der Volksoper Dia Luca. Schon mit 13 Jahren besuchte sie die Schauspielschule Kraus und begann 1956 ein Gesangstudium bei der berühmten Kammersängerin Esther Réthy. Ihr erstes Engagement trat sie im September 1956 an – als Piccolo in dem Singspiel „Im weißen Rössl“ im Stadttheater Baden. Es folgte eine Reihe von Hauptrollen in Operette und Schauspiel (u. a. in Fritz Kreislers „Sissy“, Dario Niccodemis „Scampolo“ und Eugène Scribes „Ein Glas Wasser“). 1957 wurde sie als „Gigi“ an das Theater Koblenz verpflichtet, wo sie gleichfalls in Operette und Schauspiel tätig war. Von dort wurde die erst zwanzigjährige Künstlerin 1959 von Fritz Eckhardt, der damals die Dramaturgie besorgte, als Lisa in „Gräfin Mariza“ an die Volksoper engagiert. Regie führte der legendäre Géza von Bolváry. Ihr Debüt an Währinger Gürtel feierte sie dann schließlich  zur Premiere der Operettenproduktion am 15. Mai 1959. Ihre Partner waren Esther Réthy als Mariza, Rudolf Christ als Graf Tassilo und Erich Kuchar als Baron Zsupán. Eine Fülle von Fernsehspielen und Shows führte Guggi Löwinger 1961 zu einem Doppelvertrag mit der Volksoper Wien und dem Staatstheater am Gärtnerplatz in München.

 

1962 entschied sich die junge Soubrette jedoch zugunsten der Volksoper Wien, der sie fortan jahrzehntelang die Treue hielt. Dort gehörte sie schon von ihren ersten Auftritten an zu den erklärten Lieblingen des Hauses. Ihre „Parade-Rollen“ wurden die Mi in Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“, Ciboletta in Johann Strauß’ „Eine Nacht in Venedig“, Pepi in Johann Strauß’ „Wiener Blut“, Mabel in Emmerich Kálmáns „Die Zirkusprinzessin“, Juliette in Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“, Franzi und Fifi in Oscar Straus’ „Ein Walzertraum“, Stasi in Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“, Mizzi in Robert Stolz’ „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“, Klärchen in Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl“ und Mascha in Franz Lehárs „Der Zarewitsch“.

 

Ihr breites künstlerisches Spektrum zeigte Guggi Löwinger aber auch schon bald mit Musicalpartien wie der Bianca in Cole Porters „Kiss me, Kate“ und Eliza Doolittle in Frederick Loewes „My Fair Lady“ und bewies immer wieder ihre künstlerische Spannweite. In den letzten Jahren trat Löwinger u. a. als Jacqueline in Jerry Herman „La cage aux folles“, Frau Schmidt in Richard Rodgers „The Sound of Music“, Jente in Jerry Bocks „Anatevka“ und Mrs. Higgins und Mrs. Pearce in „My Fair Lady“ auf.
Guggis letzter Bühnenauftritt war auch in einer Musical-Rolle: sie stand in „The Sound of Music“ auf den Brettern ihrer geliebten Volksoper…

 

Auch bei den Operettenfestspielen in Mörbisch war sie ein gern gesehener Gast. (1970 als Etelka in „Die ungarische Hochzeit“, 1971 als Stasi in der „Csárdásfürstin“ und 1973 als O Lia San in „Viktoria und ihr Husar“). In den 60er Jahren wirkte die junge Guggi auch in Filmen mit: so etwa in „Hilfe meine Braut klaut“, „Tanze mit mir in den Morgen“, „Dicke Luft“, „Unsere tollen Tanten in der Südsee“ und „Der keusche Adam“. Zu ihren Film-Partnern zählten u.a. Peter Alexander, Conny Froboess, Rudolf  Carl und Rex Gildo.
Zahlreiche Schallplatten-Aufnahmen zeugen von Guggis künstlerischem Schaffen, und Tourneen der Volksoper führten sie nach Japan, in die USA und bis in die ehemalige Sowjetunion. Für ihre Darstellung der Midili in „Die Rose von Stambul“ wurde sie 1961 mit dem Goldenen Rathausmann der Stadt Wien ausgezeichnet. 1981 erhielt sie das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Ab März 2007 war sie in der Jury der dritten Staffel der österreichischen Dancing Stars und löste damit „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin ab. Löwinger war in zweiter Ehe mit dem beliebten Operettentenor Peter Minich verheiratet. Der Kammersänger starb im Jahr 2013. Löwinger und Minich zählten zu den „Paradepaaren der Urwiener Unterhaltungskunst“ und waren oft gern gesehene Gäste bei gesellschaftlichen Events.

 

Zuletzt stand Löwinger in der Volksoper Wien als Mrs. Pearce in „My Fair Lady“ und als Frau Schmidt in „The Sound of Music“ auf der Bühne. An der Volksoper spielte sie in den vergangenen Jahren außerdem unter anderem in „Der Opernball“, „La Cage aux Folles“ und „Anatevka“. Die Ausnahmekünstlerin wirkte an der Volksoper in 18 Premieren mit. Sie trat wie schon früher erwähnt in über 2.200 Vorstellungen und in 35 verschiedenen Partien auf und war aus dem Ensemble der Volksoper einfach nicht wegzudenken…

 

Ich verlasse gedankenverloren die leere Loge im 2. Rang, von der aus ich so oft als Kind den „Soubretten-Wirbelwind“ Guggi Löwinger mit ihrem Ur-Wiener-Schmäh miterlebte…

Danke Guggi!

O.T.

9 Premieren, 5 Wiederaufnahmen und 20 Repertoirestücke sowie zahlreiche Sonderprogramme stehen in der kommenden Saison am Spielplan der Volksoper. Begonnen wird die kommende Jubiläumssaison „120 Jahre Volksoper“ (als Kaiser-Jubiläums-Stadttheater ist das Haus am 14.Dezember 1898 nach nur neunmonatiger (!) Bauzeit eröffnet worden) am 1.September mit einem großen Fest und abendlichem Freilichtkonzert mit freiem Eintritt im Arne-Carlsson-Park. Die Wiederaufnahme von „Orpheus in der Unterwelt“ am 2.Juni ist eine Hommage an den am 20.Juni 1819 geborenen Jacques Offenbach und gleichzeitig eine Erinnerung an die erste Premiere der Direktionszeit von Robert Meyer.   

 

Opern- und Operettenpremieren

Emmerich Kalmán: Die Csárdásfürstin (Premiere am 16.September 2018) – Dirigent: Alfred Eschwé/László Gyükér, Regie: Peter Lund (der auch das Libretto bearbeitet); mit Robert Meyer/Wolfgang Gratschmaier, Sigrid Hauser, Lucian Krasznec/Szabolcs Brickner, Juliette Khalil/Johanna Arrouas, Christian Graf, Jakob Semotan/Michael Havlicek, Boris Eder/Axel Herrig, Elissa Huber/Ursula Pfitzner und Nicolaus Hagg

Albert Lortzing: Zar und Zimmermann (Premiere am 13.Oktober 2018) – Dirigent: Christof Prick/Wolfram-Maria Märtig, Regie: Hinrich Horstkotte; mit Daniel Schmutzhard/ Günter Haumer, David Sitka/Carsten Süss, Lars Woldt/Gregor Loebl, Carolina Ullrich/ Mara Mastalir, Gregor Loebel/Yasushi Hirano, Stefan Cerny/Andreas Mitschke, Ilker Arcayürek/JunHo You und Sulie Girardi.

George Gershwin: Porgy and Bess (Premiere am 10.Februar 2019; konzertant) – Dirigent: Joseph R. Olefirowicz; mit Morris Robinson, Melba Ramos, Lester Lynch, Ray M. Wade Jr., Julia Koci, Rebecca Nelsen, Ben Connor, Jeffrey Treganza, Mehrzad Montazeri, u.v.a.

Richard Wagner: Der fliegende Holländer (Premiere am 9.März 2019) – Dirigent: Marc Piollet, Regie: Aron Stiehl; mit Stefan Cerny/Andreas Mitschke, Meagan Miller/Kristiane Kaiser, Tomislav Muzek/Vincent Schirrmacher, Annely Peebo/Martina Mikelic, Szabolcs Brickner/JunHo You, Markus Marquardt

Ralph Benatzky: Meine Schwester und ich (Premiere am 6.April 2019) – Dirigent: Guido Mancusi, Regie: Robert Meyer; mit Mara Mastalir, Lukas Perman, Carsten Süss, Johanna Arrouas, Nicolaus Hagg, u.a.

Thomas Adès: Powder Her Face (Premiere am 13.April 2019 im Kasino am Schwarzenbergplatz) – Dirigent: Lorenz C. Aichner, Regie: Martin G. Berger; mit Ursula Pfitzner, Julia Koci, David Sitka, Bart Driessen

 

Musicalpremiere

Leonard Bernstein: Wonderful Town (Premiere am 9.Dezember 2018; Koproduktion mit der Staatsoperette Dresden) – Dirigent: James Holmes, Regie: Matthias Davids; mit  Sarah Schütz, Olivia Delauré, Drew Sarich, Peter Lesiak, Christian Graf, Oliver Liebl, Juliette Khalil, Regula Rosin, Cedric Lee Bradley, Jakob Semotan und Alexander Pinderak

 

Ballettpremieren

Coppélia (Musik von Leo Delibes; Premiere am 27.Jänner 2019) – Choreographie: Pierre Lacotte, Dirigent: Simon Hewett/Lorenz C. Aichner

Peter Pan (Musik von Erich Wolfgang Korngold, Guido Mancusi, Max Steiner, u.a.; Premiere am 11.Mai 2019) – Choreographie: Vesna Orlic, Dirigent: Wolfram-Maria Märtig

 

Wiederaufnahmen

Giacomo Puccini – Der Mantel/Gianni Schicchi (27.Oktober 2018), Wolfgang Amadeus Mozart – Don Giovanni (20.Dezember 2018), Mitch Leigh – Der Mann von La Mancha (3.Februar 2019), Jacques Offenbach – Orpheus in der Unterwelt (2.Juni 2019) und die Ballettproduktion „Märchenwelt Ballett“ (14.Dezember 2018)

Im Rahmen der Spielplanpressekonferenz am 12.April gaben Direktor Robert Meyer und der Kaufmännische Geschäftsführer Mag. Christoph Ladstätter eine Änderung und gleichzeitig Ausweitung der Aktivitäten für Kinder und Jugendliche sowie Familien bekannt. Eine neu eingerichtete Abteilung für Musikvermittlung organisiert ein umfangreiches Programm an Workshops, Projekten und Mitmachaktionen für diese Zielgruppe. Diese Workshops werden, abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse, für vier Altersstufen angeboten. Für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren, die das besondere Theatererlebnis und die spezielle Auseinandersetzung mit einem Stück suchen, wird es ein aus Vorstellungsbesuch mit Vor- und Nachbesprechung bestehendes spezielles Paket geben. Neu eingeführt wird ein so genannter Familien-Pass zum Preis von € 25,-. Damit zahlt der erste Erwachsene den Vollpreis, der zweite Erwachsene zahlt nur 50% des Kartenpreises; für das erste Kind ist der Preis einer Kinderkarte um 25%  ermäßigt und das zweite Kind zahlt sogar nur € 1,- (ab dem 3.Kind gelten wieder die 75%).

Mit Ende der laufenden Saison verabschiedet sich der Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros Diethmar Straßer nach vielen Volksopernjahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird mit Mag. Malte Puls ein erfahrener Mitarbeiter.  

Einen ausführlichen Kommentar zum Jahresprogramm bieten die Volksopernfreunde in der nächsten Ausgabe der Mitgliederzeitschrift „Souffleur“.   

 

Michael Koling

MÜNCHEN/Gärtnerplatztheater: MY FAIR LADY. Premiere

MÜNCHEN/ Gärtnerplatztheater München – MY FAIR LADY (13. Februar, Premiere)

Der Schreiber dieser Zeilen  fährt monatlich aus dem heimatlichen Wien an die Isar, um im Gärtnerplatztheater die eine oder andere Vorstellung zu besuchen. Nicht nur Premieren (schon die zweite Saison leistet sich der Gast aus Wien ein Premierenabo, das übrigens zu einem durchaus brieftaschenfreundlichen Preis angeboten wird) sondern auch „normale“ Aufführungen stehen auf der Besuchsliste. Da die Aufführungen in der Regel mehr als „nur“ gut sind, ist der Beifall der Besucher auch durchaus berechtigt. Ein Jubel wie nach der gestrigen Premiere von „My Fair Lady“ ist aber dennoch nur selten zu erleben. Dass sich schon beim ersten Schlussvorhang beinahe das gesamte Publikum zu Standing Ovations erhebt und das gesamte Ensemble, den Chor, das Orchester und das Leadingteam stürmisch bejubelt, ist keinesfalls alltäglich.

Hausherr Josef Ernst Köpplinger hat mit der Stückwahl für den Faschingsdienstag, 13. Februar, auf eine sichere Bank gesetzt, wofür ihm die Zahlenfüchse im Haus sicher dankbar sind, und geht auch mit seiner Regie kein Risiko ein. Er verweigert sich einer krampfhaften Aktualisierung (Stichwort: #metoo), die dem Stück innewohnende Kritik an der Klassengesellschaft Englands vor gut 100 Jahren bleibt auch ohne Holzhammer aktuell. Der immer wieder ins Bayerische übertragene Text (Textfassung von Josef E. Köpplinger und Stefan Bischoff) hält sich an die originale Übersetzung und passt sich lediglich mit Vorsicht der lokalen Sprache an.

Auf der Bühne (Bühnenbild: Rainer Sinell) steht ein beinahe echtes London, die Drehbühne und verschiebbare Portale ermöglichen einen schnellen Szenenwechsel. Einzig vor Ascot, dem letzten Bild vor der Pause, muss der Spielfluss kurz unterbrochen werden. Diesem werktreuen Bühnenbild entsprechen die historisierenden Kostüme von Marie-Luise Walek. Dieses Ambiente nutzt Köpplinger für eine Regie, die treffender und hintergründiger nicht sein könnte. Und was ein besonderer Pluspunkt dieser Produktion ist – das Ballett (Choreografie: Karl Alfred Schreiner) fügt sich bruchlos in die Personenführung ein. Auch bei Musicals keine Selbstverständlichkeit.

Und das Ensemble dieser Premiere könnte besser nicht sein.

Volksoperndirektor Robert Meyer ist ein großartiger Doolittle (und wird vom Premierenpublikum auch entsprechend bejubelt), bühnenpräsent in jeder Phase zeigen Friedrich von Thun (Oberst Pickering) und Michael Dangl (Professor Higgins) ihr künstlerisches Können, Maximilian Mayer ist ein rollengerechter Freddy, Dagmar Hellberg gibt ideal die Mrs. Pearce. Eine Idealbesetzung für die Eliza findet sich im Ensemble des Gärnerplatztheaters  Nadine Zeintl singt, spielt und tanzt, dass es die reine Freude ist. Und dass Cornelia Froboess für die Mrs. Higgins gewonnen werden konnte, ist – um es bundesdeutsch zu formulieren – das Sahnehäubchen dieser Besetzungsliste. Allen übrigen solistischen Mitwirkenden sei an dieser Stelle ohne einzelne Namensnennung ein pauschales Lob ausgesprochen.

Wie immer singen, spielen und tanzen der Chor (Leitung: Felix Meybier) und das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz auf hohem Niveau. Andreas Kowalewitz leitet das Orchester des Hauses schwungvoll und stilsicher.

Wollte man, was schwer genug fällt an diesem Abend, einen Schwachpunkt finden, dann ist es die elektronische Verstärkung und Aussteuerung von Orchester und Sängern. Dadurch wird der Klang leider ab und zu etwas zu eindimensional.

Michael Koling

Voll Trauer haben die Volksopernfreunde vom Tod ihres Ehrenmitgliedes und langjährigen Ensemblemitgliedes der Volksoper Otoniel Gonzaga am Nachmittag des 13. Jänner erfahren.

Es gibt kaum ein bedeutendes Opernhaus weltweit, in dem der auf den Philippinen gebürtige Amerikaner nicht aufgetreten ist und zumindest eine seiner mehr als 70 Rollen verkörpert hat. Seine Ausbildung erhielt der Tenor am Curtis Institute of Music in Philadelphia unter anderem bei Margaret Harshaw, einer langjährigen Stütze der Metropolitan Opera in New York. Andere bedeutende Absolventen sind die Sopranistin Anna Moffo oder die Tenöre Michael Schade und Juan Diego Flórez. Bereits als Student gewann er den ersten Preis bei der Marian Anderson International Singing Competition und war zwei Jahre später Preisträger beim ARD Gesangswettbewerb in München, was seinen Durchbruch in Europa bewirkte. Seine zahlreichen Engagements führten Otoniel Gonzaga um die ganze Welt; mit großem Erfolg sang er nicht nur an den wesentlichen europäischen und amerikanischen Opernhäusern, seine künstlerischen Wege führten ihn bis nach Peking.

Der charismatische Tenor hat mit so bedeutenden Dirigenten wie Eugene Ormandy, Giuseppe Patanè, Alberto Erede, Michael Gielen, Pablo Casals oder Herbert von Karajan gearbeitet und seine BühnenpartnerInnen spiegeln das who is who der Opernwelt wider. Von den vielen Rollen, die Gonzaga gesungen hat, können nur ein paar angeführt werden: Cavaradossi („Tosca“), Calaf („Turandot“), Manrico („Trovatore“), Don José („Carmen“), Florestan („Fidelio“), Hoffmann („Hoffmanns Erzählungen“), Otello („Otello“) oder Radames („Aida“). Und auch in zahlreichen Operetten, wie beispielsweise „Zigeunerbaron“, „Die lustige Witwe“ oder „Das Land des Lächelns“, ist er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gestanden. Der Künstler war auch auf der Konzertbühne zu Hause und sang mit verschiedenen Orchestern in Europa, Amerika und Asien.

In der Rolle des alten Kaisers Altoum in „Turandot“ ist Otoniel im November 2014 letztmalig auf der Bühne der Volksoper gestanden. Anlässlich der Beendigung seiner Bühnenlaufbahn in Würdigung seiner langjährigen Zugehörigkeit zur Volksoper haben die Volksopernfreunde dem Künstler die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Immer wieder bewies Otoniel Gonzaga auch sein soziales Engagement durch seine Teilnahme an Benefizkonzerten etwa für die Opfer von Naturkatastrophen oder für soziale Einrichtungen und Organisationen. Bei den Volksopernfreunden war Tony, wie wir ihn nennen durften, ein häufiger und gerne gesehener Gast, der die Konzerte regelmäßig mit „Nessun dorma“ als Zugabe beendete.

Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Wir werden Otoniel Gonzaga nicht vergessen.

 

Der Vorstand der Volksopernfreunde

 

 © Michael Koling                                                   Otoniel Gonzaga, Thomas Böttcher
 

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