Gebäude der Wiener Volksoper © Volksoper Wien, Logo VOF
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Festkonzert der Wiener Volksopernfreunde am 23. Oktober 2011 im Lehar-Schlössl

Am geschichtsträchtigen 11. September 2001 war der Verein der Wiener Volksopernfreunde gegründet worden. Anlässlich seines 10-jährigen Bestehens veranstaltete der unter der Präsidentschaft des ORF-Journalisten Dr. Oliver Thomandl tätige Club heuer ein Festkonzert, das in den Räumlichkeiten des in Privatbesitz befindlichen Lehar-Schlössls im 19. Bezirk stattfand. Die musikalische Vergangenheit des Gebäudes, das 1737 erbaut wurde, ist imponierend: So wohnten hier Emanuel Schikaneder (ein Deckenfresko mit dem Terzett aus dessen Zauberflöte erinnert daran) und Franz Lehar, der auch seine Giuditta in diesen Räumlichkeiten schrieb. Diese beiden Komponisten sollten auch den Schwerpunkt des Konzertprogrammes bilden. Das neue Vorstandsteam des Vereines konnte nicht weniger als neun Sängerinnen und Sänger präsentieren, die von Thomas Böttcher, dem stellvertretenden Chordirektor der Volksoper, am Klavier ideal begleitet wurden. Der Salon der Villa war gesteckt voll und das rasch in Stimmung gekommene Publikum erlebte kurzweilige 2 ½ Stunden.

Und die Liste der auftretenden Protagonisten, die alle an der Volksoper engagiert sind oder zumindest dort gesungen haben, konnte sich sehen lassen. Allen voran stand natürlich Otoniel Gonzaga, der Haustenor von den Philippinen, der mit der Tamino-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“, „Schön ist die Welt“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ natürlich in seinem Element war, aber auch beim Duett Alvaro-Carlo (mit Alexander Trauner) aus Verdis „La Forza del Destino“ dramatische Töne anschlug. Anja-Nina Bahrmann zeigte mit der Arie der Susanna aus dem vierten Akt der „Hochzeit des Figaro“, der Musetta aus „La Boheme“ und dem Barcarole-Duett aus „Hoffmanns Erzählungen“ (mit Jolene McCleland) die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten ihrer perfekt geführten Stimme. Eine weitere (größere) Karriere scheint bei ihr nur mehr eine Frage der Zeit.

Der Bass-Bariton Alexander Trauner, dem an der Volksoper der Sprecher in der Zauberflöte anvertraut wurde, zeigte ebenfalls sein breites Spektrum. Von „Plaisir d’Amour“ bis zu „Phantom of the Opera“ reichte der Bogen, wobei ich den geradlinigen Bayern, der im Mostviertel lebt, gerne einmal an einem größeren Haus im Wagnerfach hören möchte. Für die ganz tiefen Töne war an diesem Abend der seit 11 Jahren in Wien lebende Japaner Yasushi Hirano zuständig, der neben Melodien aus seiner Heimat auch mit einem überaus gelungenen Danilo („Da geh ich ins Maxim“) aufhorchen ließ: Wortdeutlich, witzig und mit viel Charme! Den versprühte auch Stefan Tanzer, der als Mitorganisator für diesen so gelungenen Abend verantwortlich zeichnete. Der „Edelchorist“ der Volksoper, der auch immer wieder zu Einzelauftritten kommt, wurde von den männlichen Besuchern wahrscheinlich am meisten beneidet: Seine Zerlina Elisabeth Schwarz durfte er als Don Giovanni verführen (La ci darem la mano) und gemeinsam mit Asa Elmgren (die für die erkrankte Luisa Albrechtova über Nacht eingesprungen war) schwelgte er in Lehars „Lippen schweigen“. Die beiden Damen zeigten aber natürlich auch was sie solistisch drauf haben. Schwarz bewies mit der Arie „Welche Wonne, welche Lust“, dass das Blondchen aus der „Entführung“ eine ihrer derzeitigen Paraderollen ist und ließ im „Lied der Nachtigall“ von Franz Grothe die Koloraturen so richtig perlen. Elmgren hingegen wählte mit der Hallen-Arie der Elisabeth aus Tannhäuser das dramatischere Fach. Previn Moore (derzeit als Oberkellner Rudolph Reisenweber in „Hello Dolly“ zu sehen) als Überraschungsgast sorgte mit zwei Nummern aus „The Lion King“ und „Guys and Dolls“ für Musicalflair. Die aus Südafrika stammende Mezzo-Sopranistin Jolene McCleland vervollständigte das sehr motivierte und bestens einstudierte Sängerteam, weniger Bekanntes (wie die Arie des Romeo aus „Capuleti e i Montecchi“) stellte sie dem Couplet des Prinzen Orlofsky aus der Fledermaus gegenüber.

Der enthusiastische Applaus der Gäste bei den Zugaben (Traviata-Brindisi und Nessun Dorma) bewies, dass ein „Format“ (um einen unseligen Jargon der Unterhaltungsbranche zu bemühen) wie ein Salonkonzert immer noch gefragt und erfolgreich ist. Und außerdem bleibt zu hoffen, dass der Verein der Wiener Volksopernfreunde auch in Zukunft durch Konzerte mit „Stars zum Anfassen“ seinen Stellenwert festigen kann, das Festkonzert war ein Meilenstein dahin.

Ernst Kopica (Der Neue Merker)

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