Gebäude der Wiener Volksoper © Volksoper Wien, Logo VOF
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My Fair Lady mit Direktor Robert Meyer in München

MÜNCHEN/Gärtnerplatztheater: MY FAIR LADY. Premiere

MÜNCHEN/ Gärtnerplatztheater München – MY FAIR LADY (13. Februar, Premiere)

Der Schreiber dieser Zeilen  fährt monatlich aus dem heimatlichen Wien an die Isar, um im Gärtnerplatztheater die eine oder andere Vorstellung zu besuchen. Nicht nur Premieren (schon die zweite Saison leistet sich der Gast aus Wien ein Premierenabo, das übrigens zu einem durchaus brieftaschenfreundlichen Preis angeboten wird) sondern auch „normale“ Aufführungen stehen auf der Besuchsliste. Da die Aufführungen in der Regel mehr als „nur“ gut sind, ist der Beifall der Besucher auch durchaus berechtigt. Ein Jubel wie nach der gestrigen Premiere von „My Fair Lady“ ist aber dennoch nur selten zu erleben. Dass sich schon beim ersten Schlussvorhang beinahe das gesamte Publikum zu Standing Ovations erhebt und das gesamte Ensemble, den Chor, das Orchester und das Leadingteam stürmisch bejubelt, ist keinesfalls alltäglich.

Hausherr Josef Ernst Köpplinger hat mit der Stückwahl für den Faschingsdienstag, 13. Februar, auf eine sichere Bank gesetzt, wofür ihm die Zahlenfüchse im Haus sicher dankbar sind, und geht auch mit seiner Regie kein Risiko ein. Er verweigert sich einer krampfhaften Aktualisierung (Stichwort: #metoo), die dem Stück innewohnende Kritik an der Klassengesellschaft Englands vor gut 100 Jahren bleibt auch ohne Holzhammer aktuell. Der immer wieder ins Bayerische übertragene Text (Textfassung von Josef E. Köpplinger und Stefan Bischoff) hält sich an die originale Übersetzung und passt sich lediglich mit Vorsicht der lokalen Sprache an.

Auf der Bühne (Bühnenbild: Rainer Sinell) steht ein beinahe echtes London, die Drehbühne und verschiebbare Portale ermöglichen einen schnellen Szenenwechsel. Einzig vor Ascot, dem letzten Bild vor der Pause, muss der Spielfluss kurz unterbrochen werden. Diesem werktreuen Bühnenbild entsprechen die historisierenden Kostüme von Marie-Luise Walek. Dieses Ambiente nutzt Köpplinger für eine Regie, die treffender und hintergründiger nicht sein könnte. Und was ein besonderer Pluspunkt dieser Produktion ist – das Ballett (Choreografie: Karl Alfred Schreiner) fügt sich bruchlos in die Personenführung ein. Auch bei Musicals keine Selbstverständlichkeit.

Und das Ensemble dieser Premiere könnte besser nicht sein.

Volksoperndirektor Robert Meyer ist ein großartiger Doolittle (und wird vom Premierenpublikum auch entsprechend bejubelt), bühnenpräsent in jeder Phase zeigen Friedrich von Thun (Oberst Pickering) und Michael Dangl (Professor Higgins) ihr künstlerisches Können, Maximilian Mayer ist ein rollengerechter Freddy, Dagmar Hellberg gibt ideal die Mrs. Pearce. Eine Idealbesetzung für die Eliza findet sich im Ensemble des Gärnerplatztheaters  Nadine Zeintl singt, spielt und tanzt, dass es die reine Freude ist. Und dass Cornelia Froboess für die Mrs. Higgins gewonnen werden konnte, ist – um es bundesdeutsch zu formulieren – das Sahnehäubchen dieser Besetzungsliste. Allen übrigen solistischen Mitwirkenden sei an dieser Stelle ohne einzelne Namensnennung ein pauschales Lob ausgesprochen.

Wie immer singen, spielen und tanzen der Chor (Leitung: Felix Meybier) und das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz auf hohem Niveau. Andreas Kowalewitz leitet das Orchester des Hauses schwungvoll und stilsicher.

Wollte man, was schwer genug fällt an diesem Abend, einen Schwachpunkt finden, dann ist es die elektronische Verstärkung und Aussteuerung von Orchester und Sängern. Dadurch wird der Klang leider ab und zu etwas zu eindimensional.

Michael Koling

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