Gebäude der Wiener Volksoper © Volksoper Wien, Logo VOF
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Schätze aus Operette und Oper

Das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ bietet nicht nur Bekanntes auf CD.

 

Es gibt praktisch keine neue CD-Produktion von Operetten, wirklich interessante Neuaufnahmen von Opern halten sich in überschaubaren Grenzen und Einspielungen von Liedern oder Sängerporträts – Medienstars ausgenommen – muss man mit der sprichwörtlichen Lupe suchen. Mit hohem (vor allem finanziellen) Risiko selbst produzierte Aufnahmen einmal ausgenommen. Kein Wunder, dass immer mehr Musikfreunde ihre CD-Sammlung mit in der Vergangenheit entstandenen Aufnahmen füllen. Auf diese Zielgruppe ist das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ fokussiert und bietet für Musikconnaisseure ein reiches Angebot.

Mehrere hundert Titel – Oper, Operette, Lied, Konzert, Sängerporträts – weist der im Internet abrufbare Katalog (www.vocal-classics.com) auf. Wahre Schätze finden sich in diesem umfangreichen Angebot. Wer den Namen „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ wörtlich nimmt und fürchtet, nur Musik aus Norddeutschland zu finden, irrt jedoch gewaltig. Die angebotenen CDs decken beinahe das gesamte Spektrum der im deutschsprachigen Raum in der Vergangenheit entstandenen Aufnahmen ab. Aber auch der eine oder andere Mitschnitt etwa aus der Metropolitan Opera oder manch eine für heute nicht mehr existierende Plattenfirmen entstandene Aufnahme schmücken den Katalog. Ein paar wenige Aufnahmen sind sogar Produktionen der Volksoper (zB. „Die spanische Stunde“ von Maurice Ravel oder „Die Räuber“ von Giuseppe Verdi).

Mastermind des kleinen, in einem Vorort von Hamburg angesiedelten Unternehmens ist Joachim Leufgen. Der gelernte Betriebswirt war mehr als ein Jahrzehnt bei TELDEC tätig und schon dort für heute legendäre Ausgrabungen aus Archiven zuständig. Als zu Beginn des Jahrtausends die Krise im Musikgeschäft auch diese Firma zum Aufgeben zwang, wurde ihm nach dem Tod des Gründers das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ mit allen Beständen angeboten. Leufgen kaufte den Firmennamen und das vorhandene Material und modernisierte Schritt für Schritt die Technik. Um Platz zu sparen und dadurch Lagerkosten zu minimieren wird jede CD nach der Bestellung und dem Zahlungseingang gleichsam individuell angefertigt. Spezielle in Japan gefertigte Rohlinge garantieren, dass die CDs auch langfristig abspielbar sind.

Das kleine Unternehmen, das mit seinem Katalog eindeutig eine Marktnische füllt, profitiert davon, dass viele in den 50er und 60er Jahren aufgenommene Opern oder Operetten längst vom Markt genommen worden sind und die Originalbänder relativ günstig erworben werden konnten. Aber auch private Sammler oder Künstler (bzw. deren Verwandte oder Erben) boten und bieten interessantes Material an.

Operettenschätze …

Für Volksopernfreunde ist vor allem das Operettenangebot interessant. Unter den rund 300 Titeln finden sich wahre Schätze. Den Schwerpunkt bilden österreichische und deutsche Komponisten. In einem kürzlich in Hamburg geführten Gespräch begründet Joachim Leufgen diese Tatsache damit, dass es für Operetten von Komponisten außerhalb des deutschen Sprachraums kaum Interessenten gibt und Aufnahmen auch nicht angeboten werden. Was das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ aber auszeichnet ist, dass auch der engagierte Liebhaber hier Komponisten oder Werke findet, die ihm oder ihr bisher wenig oder überhaupt unbekannt waren. Ganz ehrlich – wer kennt „Die blaue Mazur“ oder „Der Mann mit den drei Frauen“ von Franz Lehár (in beiden Aufnahmen singt unter anderem Rudolf Christ), wer hat schon von „Der lachende Ehemann“ von Edmund Eysler (mit Gerda Scheyrer und Waldemar Kmentt) gehört, wem ist „Jakuba“ von Johann Strauss wenigstens vom Namen bekannt ? Und wer kennt die Komponisten Jara Benes, Walter Wilhelm Götze, Oskar Jascha oder August Pepöck ?

Die Mitwirkenden sind dagegen häufig prominent und Publikumslieblinge: Johannes Heesters, Rudolf Christ, Peter Minich, Adolf Dallapozza, Peter Anders, Erika Köth, Renate Holm, Helga Papouschek, Esther Réthy, und-und-und. Unter namhaften Operettendirigenten wie Max Schönherr oder Franz Marszalek sind das Who-is-Who des Operettengesangs zu erleben.

… und Sängerlieblinge

Für Stimmliebhaber bietet das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ besondere Editionen an und unterstreicht damit seinen Namen. Von Aufnahmen mit Enrico Caruso bis zu SängerInnen, die auch jüngere Musikfreunde noch erlebt haben, reicht die Palette. Vertreten sind alle Stimmlagen vom höchsten Sopran bis zum tiefsten Bass. Aus Platzgründen können auch hier nur ein paar Namen beispielsweise genannt werden: Maria Cebotari, Erna Berger, Leonie Rysanek, Karl Terkal, Marcel Cordes, … Einen Sänger möchte ich dabei jedoch ganz besonders hervorheben – „unseren“ Adolf Dallapozza, dem bisher vier CD-Boxen gewidmet sind, eine fünfte soll demnächst erscheinen.

Die Preise, die das „Hamburger Archiv für Gesangskunst“ pro CD verrechnet, sind durchaus moderat; nach Österreich kommen die Portokosten dazu. Bestellungen sind über das Internet (info@vocal-classics.com) oder telefonisch (0049-40-819 759 35) möglich.

 

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